Chandramohan Dhanasekaran ist leidenschaftlicher Cricketspieler. Das verbindet den Inder mit vielen seiner Landsleute und Menschen beispielsweise aus Indien, Pakistan oder Sri Lanka, die in der Region Stuttgart leben und arbeiten. Denn in ihren Heimatländern ist Cricket eine Art Nationalsport. Er selbst kam 2015 nach Deutschland und arbeitet bei einem Autohersteller, seitdem ist er auf der Suche nach einem Cricketplatz. “Es gibt keinen einzigen Platz in der Region Stuttgart, aber allein in unserer Community über 2.000 Spieler und Spielerinnen”, erzählt “Chandra”, wie er sich im Gespräch vorstellt.
Fast 30 Cricket-Vereine in Baden-Württemberg
Seit langem träumt der 40-Jährige deshalb davon, dass es in der Region Stuttgart ein extra Spielfeld für Cricket gibt. Mehr als zehn Jahre lang hat er eine passende Fläche dafür gesucht. Jetzt hat er diese Fläche endlich gefunden: Der Platz soll in Hausen entstehen, einem Ortsteil von Weil der Stadt (Kreis Böblingen). Dort fand kürzlich der erste Spieltag der “Stuttgart Cricket Premier League” statt.
Nach Angaben des Baden-Württembergischen Cricket Verbandes sind in Baden-Württemberg 29 Vereine gemeldet, darunter auch welche in der Region Stuttgart, beispielsweise in Ludwigsburg oder Esslingen. Die Vereine trainieren meist auf Fußballplätzen, doch sie sind eigentlich zu klein. Denn ein echtes Cricketfeld ist ungefähr so groß wie zwei Fußballfelder.
“Das ist ein tolles Sportgelände”
Nachdem Chandra einen aus seiner Sicht geeigneten Ort gefunden hatte, ging er im vergangenen Jahr auf den TSV Hausen zu. Die Fußballabteilung des Vereins ist seit einigen Jahren nicht mehr aktiv. Den Vereinsvorstand Bernd Glocker konnte Chandra von seiner Idee bereits überzeugen.
“Wir haben hier die Tennisplätze, die brach liegen und den Hartplatz, das tut einfach weh”, sagt Glocker. “Das ist ein tolles Sportgelände, das eigentlich ganz wenig noch für Sport genutzt wird. Und dem sollte man einfach wieder Leben einhauchen”, findet er.
Zwei Millionen Euro für einen neuen Cricketplatz
Für den Umbau sollen laut Glocker die ungenutzten Tennisplätze auf dem Gelände wieder hergestellt werden, auch den Platz neben dem Fußballfeld will der Verein von der Stadt zurückkaufen. Alles in allem rechnen Glocker und Chandra mit Kosten von rund zwei Millionen Euro.
Doch weder der Verein noch die Kommune Weil der Stadt könnten diese Summe allein aufbringen. “Die Stadt kann uns nicht unterstützen”, erzählt Glocker. Deshalb versuchen Chandra und Glocker, eine Förderung vom Bund zu bekommen.
Cricket soll bei der Integration helfen
Für Chandra geht es bei dem Projekt nicht nur um den Sport, wie er erzählt, sondern auch um die Integration. Viele Facharbeiter aus Indien oder Pakistan hätten keine sozialen Anlaufstellen, sobald sie nach Deutschland kämen. Viele würden dann das Land wieder verlassen, meint Chandra. Dabei könne Cricket helfen.
Diese Meinung teilt auch Glocker. Der Vereinsvorstand ist selbstständig und beschäftigt auch Menschen aus Südasien in seinem Unternehmen. Viele von ihnen bräuchten einen Ort, um sich miteinander auszutauschen, um hier anzukommen. Für den Umbau des Geländes könnten auch private Investoren eine Lösung sein. Langfristig wünschen sich die beiden, dass sich Weil der Stadt zu einem Standort für Cricket in Deutschland entwickelt und dass die neue “Stuttgart Cricket Premier League” ein erster Schritt auf diesem Weg ist.
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Source: www.bing.com


